Umwelt- und sozialverträgliche Mobilität: Quote der regelmäßigen ÖPNV-Nutzer
(ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr)
Erfasst werden hier die Abo-Kunden/-Kundinnen der Dortmunder Verkehrsbetriebe DSW21 in Prozent der Wohnbevölkerung.
(Räumliche) Mobilität ist eine wichtige Voraussetzung zur Teilhabe der Menschen am allgemeinen Leben in einer Stadt und zur Pflege der sozialen Bezüge. Der ÖPNV gehört neben der Nutzung eines Fahrrads und dem Gehen zu Fuss zu den (eher) umweltfreundlichen Mitteln, sich innerhalb der Stadt (und darüber hinaus) zu bewegen.
Eine hohe Abonnentenquote unter den Fahrgästen eines öffentlichen Verkehrsbetriebs spricht für eine hohe Kundenbindung. Hierfür kann neben einer hohen Angebotsqualität auch eine den Einkommensverhältnissen der Menschen angepasste Tarifpolitik des Unternehmens ursächlich sein.
keiner bekannt
Wechselwirkungen insbesondere hinsichtlich Einkommensarmut, Flächenverbrauch/Freiraumschutz, Co2-Emissionen, PKW-Besatz und Verkehrsunfälle.
Ein Zielkonflikt kann sich ergeben hinsichtlich des Indikators Fahrradverkehr.
Bremen wurde als Vergleichsstadt herangezogen, weil sie von der Größenordnung und Struktur her mit Dortmund einigermaßen vergleichbar ist. Außerdem die - wesentlich kleinere Stadt - Münster in Westfalen, weil sie in Sachen Verkehrspolitik allgemein als vorbildlich gilt.
Die sog. Wohnberechtigte Bevölkerung der Stadt Bremen betrug Ende 2008 547.360 Einwohner, die Münsters 281.050 Einwohner, also weniger als die Hälfte der Bevölkerung Dortmunds.
Kunden und Kundinnen mit Jahres-Abo am Ende des jeweiligen Kalenderjahres, bezogen auf je 100 Einwohner (ohne Semestertickets).
a. zu Dortmund:
Einwohnerzahlen Dortmund (Wohnbevölkerung) ab 1990 nach: Amt für Statistik und Wahlen der Stadt Dortmund, aktuelle Schnellübersicht 'Bevölkerung nach Geschlecht' im Dortmunder Stadtportal dortmund.de (wird laufend ergänzt);
DSW-Abokunden nach Angaben der DSW 21 (Auskunft auf Anfrage, 2.6.2009); Zahlen für 1990 und 1996 aus den DSW-Geschäftsberichten 1990 und 1996.
b. zur Vergleichsstadt Münster:
Einwohnerzahlen Münster (Wohnberechtigte Bevölkerung) aus: Jahres-Statistik 2007 der Stadt Münster, hrsg. vom Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Verkehrsplanung Münster; Einwohnerzahl Ende 2008 aus Vierteljahres-Statistik 4/2008, gleicher Herausgeber
Abokunden nach Angaben der Verkehrsbetriebe der Stadtwerke Münster GmbH (Auskunft auf Anfrage, Mai 2009)
c. zur Vergleichsstadt Bremen
Einwohnerzahlen Stadt Bremen aus: Statist. Jahrbuch 2008, hrsg. vom Statist. Landesamt Bremen; Zahl für 2008: Zahlenspiegel “Bremen in Zahlen 2009“, ebenfalls hrsg. vom Statist. Landesamt
Abokunden der Bremer Straßenbahn AG nach Angaben des Verkehrsverbunds VBN (Auskunft auf Anfrage, Juni 2009). Hier sind die normalen JahresTicket-Inhaber und die Inhaber eines JobTickets (Gültigkeitszeitraum: 1 Jahr) zusammengefasst.
Stichtag für Einwohner- und Abonnentenzahlen jeweils der 31.12. d. Jahres. Die Quote ist 1x jährlich zu ermitteln, wegen der Zugänglichkeit der Daten etwa gegen Mitte des Folgejahres.
Die Datenlage ist eher nicht gut. Alle 3 Verkehrsbetriebe verzichten – aus uns nicht nachvollziehbaren Gründen - bisher auf eine Veröffentlichung ihrer Abonnentenzahlen. Andererseits sind sie zu diesbezüglichen Auskünften gerne bereit.
Die Verkehrsbetriebe der Stadtwerke Münster wählen als Stichtag für ihre interne Abonnenten-Statistik nicht den 31.12. des jeweiligen Jahres, sondern den Wert des nach nach ihren Erfahrungen verbrauchstypischen Monats Mai. Diese Einschränkung tut der Vergleichbarkeit der Daten keinen nennenswerten Einbruch.
Dortmund führt seine eigene Einwohnerstatistik ('Hauptwohnungsbevölkerung'), deren Ergebnisse von denen des Landesamts f. Statistik z.T. deutlich abweichen. Da man sich in der Stadtentwicklung und ähnlichen Zusammenhängen durchweg auf erstere stützt, halten wir es hier ebenso.

a Angabe Abonnenten Dortmund für 1996
b Zum 1. Feb. 2008 wurde in Dortmund das stark rabattierte Sozialticket für einkommensschwache Bürger und Bürgerinnen eingeführt (auf Abo-Basis)
* ohne Semestertickets
** Die Stadtwerke Münster wählen als Stichtag für die Abonnenten-Statistik nicht den 31.12. d.J., sondern den nach Eigenangaben verbrauchstypischen Wert des Monats Mai
Die Tabelle lässt beträchtliche Unterschiede in der ÖPNV-Nutzung und -beanspruchung erkennen. Während in Dortmund heute rechnerisch jeder Fünfte im Besitz einer Dauerkarte ist, sind es in Bremen nur Zehn von Hundert und in der Stadt Münster noch weniger.
Die Bremer Werte sind umso erstaunlicher, als im Jahr 2000, dem ersten Jahr, zu dem uns aus Bremen Daten vorliegen, der Abstand weniger als 3 Prozentpunkte betrug (heute mehr als 11 Prozentpunkte).
Aber auch die Werte für Münster sind – für eine angeblich fahrrad- und ÖPNV-freundliche Stadt – erstaunlich schlecht, um zuletzt 14 Punkte niedriger als die von Dortmund. Gerade mit Blick auf Münster ist aber noch einmal zu betonen, dass Studenten und deren Semestertickets bei den Abo-Kunden nicht mit einbezogen wurden.
Der Zeitverlauf offenbart noch einen weiteren wichtigen Befund: Während die Werte für Bremen trotz bis heute leicht ansteigender Bevölkerung mehr oder weniger vor sich hindümpeln (Münster ähnlich, aber, von einem niedrigen Niveaus ausgehend, mit kontinuierlich steigenden Anteilen), hat der Zuspruch in Dortmund im Verlauf der letzten 8 Jahre, und auch in den Jahren zuvor, rasant zugenommen. Größere Sprünge sind vor allem in den 90er Jahren und im Vergleich 2007/2008 (+ 2,9 Prozentpunkte!) auszumachen.
Offenbar ist es den hiesigen Verkehrsbetrieben der Stadtwerke wesentlich besser gelungen, die KundInnen fester an sich zu binden als der Konkurrenz an Weser und Aa. Wie schon oben erwähnt, kann hierfür eine hohe Angebotsqualität oder auch eine den Einkommensverhältnissen der Menschen angepasste Tarifpolitik des Unternehmens ursächlich sein. Weitere Einflussfaktoren wären die Siedlungsdichte und Siedlungsstruktur, die Sozialstruktur sowie die jeweilige Situation der anderen, konkurrierenden Verkehrsmittel. Denkbar wäre auch noch eine gezielte Verkaufsstrategie des Unternehmens.
Nicht alles lässt sich ohne weitere Ortskenntnisse aus den Zahlen herauslesen. Aber der Erfolg der DSW21 kennt schon – trotz der für AutofahrerInnen in Dortmund immer noch blendenden Situation – einige klare Väter oder Mütter. Ein Faktor sind die zu Beginn des Jahres 1991 eingeführten und seither offensiv beworbenen VRR-Umwelttickets; deshalb war es wichtig, zum besseren Vergleich auch für die Zeit davor noch eine Abonnentenzahl zu finden. Das Ticket2000 wurde in den Folgejahren seitens des Verkehrsverbunds VRR um immer weitere Varianten mit und ohne Zielgruppenbezug ergänzt, der Anteil der Abonnenten am Absatz von Monatskarten zugleich auf über 80 Prozent getrieben. Zuletzt, im Jahr 2008, betrug der Anteil der Fahrgäste mit Bartickets am Gesamtfahrgastaufkommen in Dortmund gerade mal noch 6,2 Prozent!1
Durchaus vorzeigbar, durch den kürzlich vollendeten Stadtbahnbau eher hintertrieben, ist die Qualität des DSW-Angebots, was Netzdichte, Taktzeiten, Umsteigemöglichkeiten, Fahrzeuge und Betriebszeiten angeht (um nur einige der wesentlichen Faktoren zu nennen). Großen Anklang schließlich fand die von der Stadt Dortmund veranlasste, auch gegen Widerstände im Unternehmen durchgesetzte Einführung eines Abo-Angebots speziell für einkommensschwache Haushalte. Dieses 'Sozialticket' genannte Angebot ist zu einem Drittel des normalen Preises zu erwerben und stellt eine kommunale Antwort auf die sich ausbreitende Armut dar. Es ist – das räumen heute auch die Stadtwerke ein - zum großen Teil für den außergewöhnlichen Sprung bei der Abonnentenquote zwischen 2007 und 2008 verantwortlich.
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1 Mehr zu diesen Entwicklungen in einem demnächst zur Veröffentlichung kommenden Aufsatz von Ulrich Häpke und Heiko Holtgrave, beide Akoplan. Der Beitrag steht unter dem Titel „Die neue Stadtbahn: Zum Wohle der City und der Automobilisten“ und wird voraussichtlich im November 2009 im Rahmen des Sammelbandes „Neues Dortmund 1950-2010“ in der Schriftenreihe 'Dortmunder Beiträge zur Raumplanung' erscheinen.
Wo keine Zielwerte vorgeben sind, ist aus Daten wie den obigen auch kein unmittelbarer Handlungsbedarf abzuleiten. Leider mochte sich die Stadt Dortmund aus schwer nachvollziehbaren Gründen auch im Zuge der jüngsten Aufstellung eines 'Masterplans Mobilität' nicht auf quantitative Zielgrößen für die verschiedenen Verkehrsmittel einlassen.1
Ohne die genauen Hintergründe in den Vergleichsstädten zu kennen, ist der Dortmunder ÖPNV mit einem Anteil von über 20 Prozent an Festkunden aber offenbar ganz gut aufgestellt.
AKOPLAN – Institut für soziale und ökologische Planung e.V., Dortmund;
Dipl.-Ing. Heiko Holtgrave,
Stand 31. August 2009

