Freifläche
Anteil der Freifläche an der Gesamtfläche der Stadt
Erfasst wird hier der prozentuale Anteil der Freifläche (Freiraum) an der Gesamtfläche Dortmunds.
Trotz sinkender Einwohnerzahlen schreitet der Freiflächenverbrauch auch in Dortmund weiter voran. Das hat zahlreiche negative Folgen für die Umwelt. Das Statistische Bundesamt bewertet ca. 50 % der Siedlungs- und Verkehrsflächen als im engeren Sinne versiegelt. Diese Böden können ihre Funktionen im Naturhaushalt – als Lebensgrundlage und als Teil der Wasser- und Stoffkreisläufe – nicht mehr erfüllen. Außerdem zerschneiden Verkehrswege und Siedlungsbänder die Landschaft stärker, Lebensräume und Erholungsräume für Menschen und Tiere leiden darunter – auch durch immer mehr Lärm. Die wachsende Zersiedelung hat auch Konsequenzen für den Klima- und den Ressourcenschutz: Mehr Siedlungs- und Verkehrsflächen bedeuten mehr Gebäude, die gewartet, instand gehalten und beheizt oder gekühlt werden müssen. Weitere Entfernungen verursachen mehr motorisierten Verkehr und ein höheres Fahrzeugaufkommen. Das Ergebnis: Höhere Treibhausgas-Emissionen und ein höherer Energie- und Materialverbrauch.

Reduzierung der jährlichen Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche auf Null ab 2010
Quelle: „Zukunftsfähiges Deutschland“ (BUND 1997)
Anteil der Freifläche an der Gesamtfläche der Stadt (in Prozent)
Der Freiraum einer Gemeinde (die Summe aller Freiflächen) ergibt sich aus der rechnerischen Differenz zwischen der Gesamtheit aller Siedlungs- und Verkehrsflächen und der Gesamtfläche der Gemeinde.
Die Siedlungs- und Verkehrsfläche einer Gemeinde wird definiert als Summe aus:
- Gebäudeflächen (einschl. grundstücksbezogener Freiflächen)
- Betriebsflächen (ohne Abbauland)
- Verkehrsflächen
- Erholungsflächen (Erholungsanlagen)
- Friedhofsflächen
Quelle:
Deggau, M., 2006: Nutzung der Bodenfläche. In: Wirtschaft und Statistik, 2006, Heft 3, S. 212-219
Landesdatenbank NRW, Sachgebiet 33 Flächennutzung, Statistik „Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung“; siehe www.landesdatenbank.nrw.de
Verantwortlich für die Datenbank: bis Ende 2008 Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik, seit dem 01.01.2009 Namensänderung in Landesbetrieb für Information und Technik Nordrhein-Westfalen.
31.12.
Die Datenlage ist grundsätzlich gut. Die tatsächliche Nutzung der Grundstücke wird laufend angepasst. Die Vergleichbarkeit der Zahlen im Zeitverlauf leidet aber ein wenig unter laufenden Anpassungen in der Erhebungsmethodik sowie Änderungen in der Abgrenzung unterschiedlicher Nutzungen.
So ergab sich z.B. ein starker Rückgang der „Gewässerflächen“ in den letzten Jahren allein aus der Tatsache, dass in jüngster Zeit vermehrt Gewässerbegleitflächen (wie auch Verkehrsbegleitflächen) als eigene Nutzungsartenabschnitte gebildet wurden und noch werden. Vorher waren die Ufer-Grünstreifen einfach den Gewässern zugeschlagen worden.
Für die Abgrenzung zwischen Siedlungsfläche einerseits und Freiraum andererseits unmittelbar relevant ist die Behandlung der z.T. riesigen industriellen Brachflächen in Dortmund (Westfalenhüttengelände, Phoenix-West, Phoenix-Ost, u.a.). Sie wurden in den letzten Jahren teilweise - zumindest vorübergehend - unter die Kategorie „Unland“ eingestuft – einer Restgröße, die definitionsmäßig zum Freiraum zählt.
Diese und weitere „Umwidmungen“ schlagen aufgrund der Größe mancher Flächen bis auf das Gesamtergebnis durch: Während in den Vorjahren durchgehend ein Schwund an Freiraum dokumentiert ist, hat die Summe der Siedlungs- und Verkehrsflächen in den letzten beiden Jahren rechnerisch wieder abgenommen. Entsprechend ist der Freiflächenanteil jüngst wieder leicht angestiegen (s.u.).
Im weiteren zeitlichen Verlauf ist damit zu rechnen, dass zum Beispiel das Gelände Phoenix-Ost erneut „umgewidmet“ werden wird und überwiegend wieder der Siedlungsfläche, in Teilen (zumindest die reine See-Fläche) aber auch anderen Freiflächenkategorien zugeschlagen wird.
Nach Auskunft des Dortmunder Vermessungs- und Kasteramts wird die Statistik für Dortmund voraussichtlich schon zum Jahreswechsel 2009/2010 auf das "Amtliche Liegenschaftskataster-Informationssystem" (ALKIS) umgestellt werden, womit auch eine Neuordnung der Nutzungsarten verbunden sein wird. Hieraus könnten sich weitere Inkonsistenzen im Datenmaterial ergeben.

Trotz sinkender Bevölkerungszahlen und der Reaktivierung von Brachflächen wie Stadtkrone Ost, Phoenix und Hohenbuschei gingen in den Jahren 1998 bis 2008 weitere 3,2 Prozent des Freiraums (382 Hektar) verloren. Das entspricht einem Schwund in einer Größenordnung von rund 50 Fußballfeldern pro Jahr. Mit diesen Verlusten liegt Dortmund an der Spitze sämtlicher Kommunen im östlichen Ruhrgebiet (zum Vergleich: Unna 1,4 %, Schwerte 1,8 %, Hamm 2,3 %, Lünen 2,8 %).
Der Freiflächenzuwachs der letzten beiden Jahre markiert – anders, als zunächst vielleicht zu vermuten - keine Trendwende. Es handelt sich um einen vorübergehenden Effekt, der mit der Abgrenzung der Nutzungsarten in der zugrundeliegenden Statistik zu tun hat (siehe hierzu die Erläuterungen unter der Überschrift 'Bemerkungen'). Vielmehr ist davon auszugehen, dass der vermeintliche Gewinn mit der geplanten bzw. bereits in Vorbereitung befindlichen Wiedernutzung von Flächen wie Phoenix-Ost und Phoenix-West wieder aufgezehrt werden wird.
Um Missverständnisse zu vermeiden: Die Bemühungen um eine Reaktivierung brachgefallener Flächen sollen damit nicht schlecht geredet werden. Die Wiederherrichtung solcher Flächen für Siedlungszwecke ist einer Inanspruchnahme „jungfräulichen“ Bodens (fast) immer vorzuziehen. Aber wir haben in Dortmund bislang ja beides, und daraus erklärt sich die über all die Jahre anhaltende Entwicklung der weiteren Ausdehnung von Siedlungs- und Verkehrsflächen.
Mit den Verlusten an Freiraum ist nicht zuletzt auch eine Dezimierung des landwirtschaftlichen Sektors verbunden. Siehe hierzu Indikator 'Anteil der Landwirtschaftsfläche an der Gesamtfläche der Stadt'.
Thomas Quittek, BUND Kreisgruppe Dortmund, September 2009
